„Fashion Revolution Day“: Kreative Köpfe zeigen alternative Wege

April 29, 2014 in Mode von lotte

Am 24. April fand rund um den Globus der „Fashion Revolution Day“ statt, der dieses Jahr die Überschrift „Who made your clothes?“ trug. Die Veranstalter wollten die Käufer von Mode an ihre soziale Verantwortung erinnern. Vieles blieb dabei bedauerlicherweise in altbekannten Klischees stecken. Zwei deutsche Mode-Labels bewiesen jedoch, dass es auch anders geht. Kreative Köpfe auf Berlin und Hamburg zeigen, dass Fashion und Fair Trade wunderbar harmonieren können.

Berliner Altkleider auf den Catwalks von Paris

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Für viel Aufsehen sorgten Eugenie Schmidt und Mariko Takahashi . Die beiden Designerinnen aus Berlin gehen mit ihrem Mode-Label Schmidttakahashi ganz neue Wege. Die Philosophie hinter ihrem Unternehmen lautet, dass Kleidung keine Ware sein dürfe, die „verramscht“ werde. Um zu beweisen, dass dies auch nicht nötig sei, sammeln die beiden Label-Chefs in Berlin Altkleidung, für die ihre Besitzer keine Verwendung mehr hatten, und verarbeiten diese zu moderner Fashion. Die Ergebnisse übertrafen selbst die kühnsten Erwartungen – diese Einschätzung stammt von Beobachtern der Pariser „Fashion Week“. Dort ließen die beiden Designerinnen ihre Altkleider-Entwürfe von Models auf den Catwalks in der französischen Hauptstadt auftragen – und sorgten viel Aufsehen.
Schmidt und Takahashi erhalten inzwischen regelmäßig Spenden für ihre Arbeit. Die beiden Berlinerinnen lassen es damit aber nicht bewenden. Ihnen ist es wichtig, Kontakt mit den Personen, die ihnen die Altkleidung geschenkt haben, zu halten. Die Spender sollen sehen, dass auch aus der Altkleidung wunderschöne Mode entstehen kann. Der ganze Vorgang zielt so auch auf einen Lernprozess: Die Designerinnen wollen die Menschen dafür sensibilisieren, bewusster mit ihrer Kleidung umzugehen. Und dies auch dann, wenn sie nur ein paar Euro dafür gezahlt haben.

Neues Fair Trade-Label in Hamburg

In Berlin erhofft man sich, durch das verschärfte Bewusstsein für den Wert von Kleidung mittel- und langfristig den Näherinnen in Billiglohn-Ländern zu helfen. Dieses Ziel möchte Jana Rese aus Hamburg sofort erreichen. Die Hansestädterin hat das Label anagram gegründet, das sich „Fair Trade“ auf die Fahnen geschrieben hat. Rese versucht die Beweisführung, dass Fashion aus fairem Handel nicht nur umweltbewusst ist, sondern auch extrem gut aussehen kann und dennoch bezahlbar bleibt.

Die erste Kollektion besteht aus Shirts, Tank-Tops und Bags für Frauen, welche die eigene Leidenschaft und Lust auf den Sommer wecken sollen. Die Zielgruppe von anagram ist jung, was das erreichen der Ziele zusätzlich erschwert – bekanntlich sind die Geldbörsen von jungen Menschen nicht prall gefüllt. Rese, die laut eigener Aussage auf ihren Indien-Reisen zu ihrem Label inspiriert worden ist, will dieses Problem auf zwei Wegen lösen: Zum einen kommt nur zertifizierte Bio-Baumwolle für ihre Mode zum Einsatz. Diese ist zwar nicht so günstig wie manch anderes Material, aber eben auch nicht extrem teuer. Zum anderen sollen die jungen Frauen an ihrem Gewissen gegriffen werden. Es sei ihr besonders wichtig gewesen, dass die Kleidung und all ihre Bestandteile „an menschenwürdigen Arbeitsplätzen“ entstünden, die so auch „gehalten werden“ könnten, schildert Rese. Ihre Entwürfe tragen aus diesem Grund auch ausnahmslos das Zertifikat von „Carbon Trust“: Dieses beweist, dass der CO2-Ausstoß bei der Herstellung der Kleidung um 90 Prozent günstiger als gewöhnlich ist.

Aber auch bei anagram weiß man, dass Mode nicht nur bewusst produziert sein, sondern auch attraktiv wirken muss, um Käufer zu überzeugen. Rese ist deshalb sehr froh, dass „Hippie Fashion und Batik-Styles in Deutschland diesen Sommer ein enormes Comeback erleben“. Ihre Fashion bedient sich dieser Styles in erheblichem Maße. Allerdings ist dies für Rese nicht genug: Einige Stücke tragen provozierende Prints, die auf die Missstände in der Welt aufmerksam machen sollen. Andere sind diesbezüglich aber auch völlig neutral gehalten. Jede Käuferinnen kann so entscheiden, ob sie nicht nur faire Kleidung tragen möchte, sondern auch eine provozierende Botschaft vermitteln will – oder ob ihr das Bewusstsein, attraktive Fashion aus menschenwürdiger Herstellung zu tragen, genügt. Alle Prints und Batikmuster von anagram sind zudem „handmade in Hamburg“, versichert Rese, die ihre Angebote in der Hauptsache über einen eigenen Online-Shop vertreibt. Dort kann sich Frau auch selbst davon überzeugen, dass Fair Trade-Mode nicht unbezahlbar teuer sein muss.