Fashion Week kapituliert vor der Fußball WM – und möchte die Chance nutzen

Mai 14, 2014 in Lifestyle von lotte

Die Fashion Week 2014 wird vom 8. bis zum 13. Juli in Berlin stattfinden. Dies wäre soweit keine besondere Neuigkeiten, hätte sich der Veranstalter „Global leader in sports, fashion and media“ (IMG) nicht über Monate einen Streit mit der Berliner Politik darüber geliefert, wo bekannte Designer aus aller Welt in diesem Jahr ihre Entwürfe zeigen dürfen. Schließlich kapitulierte IMG jedoch, denn der Gegner war übermächtig.

Der Kampf um das Brandenburger Tor

Traditionell findet die Fashion Week vor dem Brandenburger Tor in der Bundeshauptstadt statt. 2014 ist jedoch alles anders, denn gleich zwei weitere Großveranstaltungen beanspruchen diesen Platz ebenfalls. Zum einen soll hier der Umzug des „Christopher Street Days“ entlang ziehen – was vermutlich ebenfalls nicht passieren wird. Zum anderen beanspruchen nämlich die Organisatoren der Berliner Fanmeile anlässlich der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien die „Straße des 17. Juni“, die zum Wahrzeichen Berlins führt. Und diese haben sich zumindest schon einmal gegen die Fashion Week durchgesetzt.

Fashion Week weicht nach Wedding aus

Die Veranstalter der Fashion Week erklärten sich nach langem Tauziehen dazu bereit, nach Wedding auszuweichen und das Event im hiesigen Erika-Heß-Eisstadion auszurichten. Der Berliner Senat zeigte sich sehr erfreut über die „einvernehmliche Lösung“ und erlaubte IMG deshalb, sowohl die Halle zu nutzen und auch ein Zelt aufzustellen. Unter dem Strich hat die Fashion Week auf diese Weise sogar mehr Platz als vor dem Brandenburger Tor.

Allerdings könnte die Politik mit ihrer Hoffnung auf die „einvernehmliche Lösung“ falsch liegen. IMG betonte gleich mehrfach, dass es sich um „ein einmaliges Entgegenkommen“ handele. Keinesfalls wolle man von nun an ständig nach Wedding ausweichen. Übersetzt bedeutet dies, dass es spätestens in zwei Jahren, wenn anlässlich der Fußball-Europameisterschaft wieder eine Fanmeile ausgerichtet werden soll, das Tauziehen von vorne beginnt. Zumal nach wie vor ungeklärt ist, was mit dem dritten Großereignis passieren soll. Für den „Christopher Street Day“ wurde bislang keine Lösung gefunden.

Fashion Week will neue Location als Chance begreifen

Bei IMG ist man inzwischen dazu übergegangen, die neue Location als Chance zu begreifen. Vizepräsident Jarred Clark erklärte, dass ein „Vorteil des Ortes“ darin liege, dass dieser „uns Raum für Kreativität“ lasse. Er fordere dazu heraus, „über die Routine der Gestaltung hinaus zu denken“. Man kann sich beim ersten Zuhören nicht helfen und empfindet diese Worte als eine Form der Schönfärberei. Es liegt an den Veranstaltern, das Gegenteil zu beweisen.

Politik noch nie Fan vom Austragungsort Brandenburger Tor

Die Geschichte der Berliner Fashion Week, die neben dem Termin im Juli auch im Januar stattfindet, ist eine Erzählung von Umzügen. Ursprünglich wurde sie am Bebelplatz ausgerichtet, doch an dieser Location gab es 2012 starke Kritik, da dort die Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten stattfanden. Das Mode-Ereignis zog deshalb weiter vor das Brandenburger Tor und erntete von der Politik dafür eine scharfe Spitze. Kulturstaatsministerin Monika Grütters erklärte 2013 in einem deutlich genervten Ton, dass sie nicht verstehe, weshalb man „für gerade einmal vier Veranstaltungstage“ die Straße, die zum Brandenburger Tor führt, für einen Monat sperren müsse. Und dies „auch noch für einen sehr begrenzten Kreis von Besuchern“, wie die Politikerin anfügte.

Es ist deutlich zu spüren, dass dem Senat die Idee zusagt, dass Fashion Week in Zukunft ständig in Wedding stattfindet, zumal sich das dortige Eisstadion für zahlreiche Mode-Großveranstaltung bewährt hat, wie man selbst bei IMG eingesteht.

Zusage für Januar 2015 steht bereits

Allerdings muss die Fashion Week nicht befürchten, im kommenden Januar erneut nicht vor das Brandenburger Tor ziehen zu können. Die entsprechende Zusage steht bereits und wurde jüngst noch einmal bekräftigt. Langfristig könnte es allerdings eine Veränderung geben, denn insbesondere für den Termin im Sommer ist absehbar, dass es immer wieder zu Konflikten mit anderen Events kommen wird. Und gerade der Fußball hat sich in Deutschland noch immer durchgesetzt.