150 Jahre Blue Jeans – Mode, die nicht aus der Mode kommt

August 13, 2013 in Hosen von lotte

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Im Mai 1873 lassen sich der Stoffhändler Levi Strauss und der Schneider Jacob Davis in San Francisco eine robuste Hose aus brauner Zeltplane mit Nieten an Nähten und Taschen patentieren. Die Verstärkung der Taschenecken und strapazierter Stellen an den damaligen Arbeitshosen für Goldgräber ist neu und von solch großem Erfolg, dass die Herstellung der Hose bald Fabrikhallen füllt. Wenig später wird die Hose aus blau eingefärbtem Baumwollstoff Denim gefertigt und beginnt als Blue Jeans ihren Siegeszug um den Globus. Heute, stolze 150 Jahre danach, hat die praktische, blaue Jeanshose nichts an Attraktivität und Anziehung verloren, im wahrsten Sinn des Wortes. Sie steht wie einst und kaum ein anderes Kleidungsstück für Coolness und eine legere Lebenseinstellung.

Legenden unter sich

Junge Rebellen und Filmstars der 1950er Jahre wie James Dean, Marlon Brando und deutsche Leinwandgrößen wie Horst Buchholz machen das coole, blaue Beinkleid berühmt und, zumindest unter der Jugend, salonfähig. Die jungen Wilden der damaligen Zeit geraten beim Anblick der Denim Hose in schwärmerische Aufruhr und ihre Eltern schlicht in Rage. Die erste Produktionsstätte in Deutschland, im süddeutschen Künzelsau, hat in den Anfangsjahren einen schwierigen Konflikt zwischen den Generationen zu meistern. Die Jeans gilt als Sinnbild für den Widerstand der Jugend gegen Kleinbürgertum, Sittsamkeit und angestaubte Ideale, als pure Renitenz. Innerhalb kürzester Zeit jedoch ist die Jeans aus Clubs und Diskotheken und mehr und mehr aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die modebewusste Weiblichkeit kann 1953 aufatmen, als die erste Jeans für Damen unter dem adretten Namen Girls-Camping-Hose den Markt erobert. Glücklicherweise und sehr zur Freude der Männerwelt lassen sich die Damen von der etwas steiferen Bezeichnung nicht abschrecken und zwängen sich in die figurbetonte Hose.

Tausendsassa Blue Jeans – Eine Hose mit vielen Formen

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Im Lauf der Jahre entwickelt sich die Blue Jeans zum Maß der Dinge in der Modewelt. Viele unterschiedliche Schnitte und Passformen werden von Designern kreiert und jedes Jahrzehnt hat seinen eigenen Jeanshosen-Trend. Für die 1970er Jahre stehen die charakteristischen Schlaghosen, die bis zum Knie eng geschnitten und in der unteren Hälfte mit ihrem weiten Saum die Plateau-Schuhe verdecken. Ab den 1980er Jahren machen zunächst die Röhrenjeans Furore und übergeben den modischen Staffelstab an die Karottenhose, deren enger Schnitt am Bein sich nach oben konisch weitet. Die Stonewashed Jeans kommt in Mode, wird aber mit dem Bekanntwerden der gesundheitsschädlichen, chemischen Herstellungsweise wieder zunehmend vom Markt verdrängt. Bis heute bringen die Modezaren immer wieder neue Stilrichtungen des Hosenklassikers, wie die Boyfriend Jeans, auf die Laufstege dieser Welt und schillernde Stars und Sternchen des Film- und Musikgeschäfts diese Trends zu den modebegeisterten Massen. Für die aktuelle Saison gilt die legendäre Jeans-Latzhose in kurzer Variante, kombiniert mit modischen Accessoires und hohen Schuhen als Must-have. Das Geschäft mit dem blauen Wunder der Modebranche, wie die Blue Jeans genannt wird, ist lukrativer denn je, offenbart jedoch zunehmend auch negative Aspekte.

Klassiker im Wandel der Zeit – billig, billiger, am billigsten

Die unersättliche Gier vieler Jeanshersteller nach immer billigeren Erzeugungsprozessen und noch höherer Gewinnmaximierung hat in der jüngsten Vergangenheit kein helles Licht auf bekannte Modelabel geworfen und rückt mehr und mehr in das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit. Recherchen in Schwellenländern, in denen vorrangig unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert wird, und die Publizierung der dortigen Arbeitsbedingungen in den Medien, haben erfreulicherweise ein erstes Umdenken ausgelöst. Bekannte Designer machen sich stark für eine faire Produktionsweise und rücken gleichermaßen umweltpolitische Aspekte ins Scheinwerferlicht und lassen ihre Hosen nachhaltig fertigen. Baumwoll-Anbau ohne Pestizide, Färbeverfahren ohne hochgiftige Substanzen, die Verwendung von recycelten Materialien, oder die gerechte Entlohnung der Beschäftigten vor Ort sind einige Möglichkeiten, dass das blaue, wandelbare Kultobjekt weiterhin das ungetrübte Lieblings-Kleidungsstück wahrscheinlich des gesamten Universums bleibt. Unsere universelle Möglichkeit, zu jeder erdenklichen Gelegenheit passend gekleidet zu sein.